Meine Arbeit

Jetzt bin ich schon seit über 3 Monaten in Ghana und habe mich recht gut eingelebt, es wird also Zeit, dass ich mal über meine Arbeit berichte.
Die Schule beginnt um 7:30 Uhr mit einer Versammlung aller Schüler auf dem Schulhof. Die Schüler stellen sich in Reihen nach Klassen geordnet auf, beten gemeinsam und singen die Schulhymne und einige andere Lieder (zB. die Nationalhymne oder weitere Schullieder). Nach der Versammlung marschieren die Klassen nacheinander in die Klassenräume und der Unterricht beginnt.
Ich gehe dann entweder ins Lehrerzimmer zurück, falls ich eine Freistunde habe, oder in eine Klasse zum Unterrichten. Die Schulstunden sind in der Primary School (Klasse 1 – 6) 60 min lang und in der Junior High School  (Klasse 7 – 9) entweder 35 min (single period) oder 75 min (double period). Die Klassengröße liegt bei ca. 20-25 Schülern, also sogar unter dem Durchschnitt vieler deutschen Schulen. Das ist allerdings eher ungewöhnlich, in vielen anderen Schulen in Swedru sind bis zu 80 Schüler in einer Klasse.
Viele meiner Kollegen sind kaum älter als ich, die meisten sind zwischen 20 und 25 Jahre alt. In Ghana braucht man nämlich keine Ausbildung, um in der Primary School und Junior Highschool zu unterrichten und viele Lehrer haben selbst gerade erst die Schule abgeschloßen. Wenn ich gerade nicht mit Korregieren und Vorbereiten beschäftigt bin, unterhalte ich mich oft mit meinen Kollegen, wir hören zusammen ghanaische Musik und sie bringen mir Fante (die lokale Sprache) bei. In letzter Zeit wurde im Lehrerzimmer wegen den kommenden Wahlen auch viel über Politik diskutiert, teilweise sehr laut und emotionsgeladen.
Mit den Erziehungsmethoden meiner Kollegen bin ich allerdings nicht immer ganz einverstanden. Jeder Lehrer hat immer einen langen biegsamen Stock dabei mit dem er die Kinder bei falschen Benehmen schlägt. Eine weitere beliebte Bestrafungsmethode ist das „Kneeling“. Der Schüler oder die Schülerin muss sich mit aufrechtem Oberkörper auf den Boden knien, sodass fast das gesamte Gewicht auf den Knien ist. Da der Boden sehr hart ist, tut das schon nach kurzer Zeit ziemlich weh an den Knien.
Allerdings ist die Direktorin der Meinung, dass zu viel Schlagen nicht gut ist, und hat die Lehrer schon mehrmals gebeten, den Stock nicht zu oft zu benutzen. Theoretisch ist es in Ghana sogar per Gesetz verboten Kinder ohne vorherige Genehmigung des headmasters zu schlagen. In der Praxis interessiert das aber niemanden.
Das Schulklima ist aber trotzdem recht gut und das Verhältnis zwischen Lehrern und Schülern ist außerhalb des Unterrichts recht locker.
Ich unterrichte die 5., 6. (Upper Primary) und 7. Klassen (Junior Highschool) in ICT. Das Unterrichten macht mir zwar Spaß, aber es ist sehr oft eine ziemliche Herausforderung. Wir haben keine Computer, keinen Overheadprojektor, keinen Kopierer und die Schüler der 5. und 6. Klasse haben auch fast alle kein ICT-Schulbuch. Auch die Kontrolle über die Klasse zu behalten ist manchmal schwierig, da meine Bestrafungsmethoden bei den Schülern kaum Wirkung zeigen und Informatikunterricht ohne Computer für viele Schüler natürlich eher langweilig ist. Auf dem Schulgelände wird zur Zeit jedoch ein neues Gebäude für Computerräume gebaut. Ich hoffe, dass das möglichst bald fertig wird und mit Computern ausgestattet wird, damit ich den Unterricht endlich ein bisschen interessanter gestalten kann und die Schüler das Gelernte auch anwenden können.

Ein paar Bilder

Ich bin jetzt endlich dazu gekommen, mal ein paar Bilder hochzuladen. Leider ist meine Internetverbindung hier sehr langsam, deshalb erstmal nur 4 Bilder, um einen Eindruck von Swedru und meiner Nachbarschaft zu bekommen. Die nächsten Tage werde ich noch weitere Bilder von meiner Schule und den Schülern hochladen.

 

Meine ersten Tage in Ghana

Nachdem ich die ersten Tage leider keine Zeit hatte, schreibe ich jetzt endlich den ersten Blogeintrag aus Ghana.

Die ersten Tage haben wir, alle Freiwillen von ijgd in Ghana, in Accra in einem sehr schönen Haus von ARA, der Partnerorganisation von ijgd in Ghana, direkt am Meer verbracht. Dort fand das Orientierungsseminar statt. Der Strand ist wunderschön, kaum Müll und gar keine Touristen, nur ein paar Fischer. Auch das Wetter war anfangs sehr angenehm und nicht zu heiß.

Am Montag haben wir dann mit einem Trotro eine kleine Stadtrundfahrt durch Accra gemacht. Trotros sind Kleinbusse mit ca. 15 Sitzen, auf denen aber mindestens 20 Leute sitzen. Sie sind das billigste Verkehrsmittel in Ghana und meist sehr alt und marode, aber das fahren in ihnen macht trotzdem extrem viel Spaß. Auf den Straßen sind außerdem überall Händler unterwegs, die durch die Trotrofenster ihre Waren verkaufen. Wenn man im Stau steht, kann man also einfach ein bisschen einkaufen, während man darauf wartet, dass es weitergeht.

Mittwochnachmittag bin ich dann in Swedru bei meiner Gastfamilie angekommen. Sie leben etwas abseits vom Zentrum, aber die Umgebung ist sehr schön und mit einem shared taxi, eine Art Sameltaxi das etwa 20 Cent kostet, ist man in 5 min im Zentrum.

Ich habe zwei Gastbrüder, Raymond und Pa, die 13 und 22 jahre alt sind und eine Schwester, die 28 Jahre alt ist und bereits selbst 2 Kinder hat: eine dreijährige Tochter und einen 8 Monate alten Sohn. Mit dem älteren Bruder bin ich am Freitag in die Stadt gefahren, um für „old boy“, meinen Gastvater, Geschenke zu kaufen, da er am Samstag Geburtstag hatte. Auf dem Markt haben wir dann außerdem ein Huhn für das Geburtstagsessen gekauft. Nachdem mein Gastbruder eines ausgesucht hatte, hat der Verkäufer es einfach aus dem Käfig geholt, an den Füßen zusammengebunden und in eine Tüte gesteckt. Geschlachtet hat es meine Gastmutter dann früh am nächsten morgen, als ich noch geschlafen habe. Das Essen war aber trotzdem sehr lecker, auch wenn es ein etwas seltsames Gefühl ist, wenn man das Tier noch lebend gesehen hat 😉

Ab Montag werde ich richtig anfangen in meinem Projekt zu arbeiten, davon werde ich dann in den nächsten Tagen berichten.

Schöne Grüße aus Ghana!

2. Vorbereitungsseminar

Über Ostern fand das fünftägige 2. Vorbereitungsseminar für meinen Freiwilligendienst statt. Die Inhalte waren, wie auch schon letztes Mal, sehr interessant und haben mich teilweise dazu gebracht, meine jetzige Lebensweise kritischer zu betrachten und zu hinterfragen.

An den ersten beiden Tagen wurde vor allem Organisatorisches, wie die Beantragung des Visums, und die Gesundheitsvorsorge im Gastland besprochen. Auch über den Umgang mit persönlichen Krisen im Gastland haben wir uns unterhalten.

In den darauf folgenden Tagen wurden Themen, wie globale Zusammenhänge zwischen sogenannten „Entwicklungsländern“ und Industriestaaten, Nachhaltigkeit und Rassismus thematisiert. Außerdem kamen an einem Abend Länderreferenten aus den jeweiligen Einsatzländern zu Besuch. Das Gespräch mit dem Länderreferent aus Ghana, sowie sein Vortrag über das Land und seine Kultur fand ich sehr spannend.

Auch die Atmosphäre auf dem Seminar war sehr gut und das „ganzheitliche Konzept“ der IJGD hat mir sehr gefallen. Wir haben zum Kochen zum Beispiel fast nur Fairtrade-Produkte oder abgelaufene Lebensmittel verwendet, die wir kostenlos vom Supermarkt bekommen haben, weil sie nicht mehr verkauft werden können, obwohl sie vollkommen einwandfrei sind und ohne Bedenken gegessen werden können.

Herzlich willkommen…

…auf meinem Blog. Hier werde ich über meinen 11-monatigen Weltwärts-Einsatz in Ghana berichten. In den nächsten Monaten werde ich den Blog nach und nach mit mehr Informationen über meinen Freiwilligendienst füllen. Da ich aber im Mai Abi schreibe, wird es noch eine Weile dauern, bis ich die Zeit dazu finde. Ausreisen nach Ghana werde ich Anfang September.